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Mixed-Media-Kurs mit Bernhard Vogel im März 2019

"Mixed Media" bedeutet wörtlich "gemischte Medien", also: "alles ist möglich" - neben Acrylfarben, Airbrush-Farben, Tuschen, verschiedenen Stiften natürlich auch diverses Collagenmaterial sowie strukturierende Untergründe und verschiedene Malgründe, bevorzugt natürlich Leinwände. 

Bernhard Vogel ist ein Kursleiter mit einer sehr eigenen und auch populären Bildsprache, aber alles andere als dogmatisch und einengend. Er unterstützt jeden Kursteilnehmer darin, in seinem Stil und mit seinem bevorzugten Material zu arbeiten und ist hier sehr offen. 

Auch wenn er selbst im Kurs malt und man ihm dabei zuschauen und jederzeit Fragen stellen kann, ist es kein Workshop, in dem das Demonstrierte nachgemalt wird. 

Da ich im Vorfeld wusste, dass Venedig mein Thema sein wird, habe ich - neben den Dingen der Materialliste - auch Marmormehl und meinen geliebten Sumpfkalk eingepackt. Was entspricht dem Charakter bröckelnder Fassaden und Mauern mehr als das Fresco-Sumpfkalk-Material?

 

Ich gebe hier einen kleinen Einblick in die Erarbeitung meiner Bilderserie und wünsche Euch viel Spaß beim Anschauen!

Der Kaufmann von Venedig

Die Fotovorlage für mein erstes Bild - aufgenommen irgendwo in Venedig, wahrscheinlich in Cannaregio; ich weiß es nicht mehr, das ist auch nicht so wichtig.

Spannend war für mich die angeschnittene linke Hauswand mit dem maroden Balkon, die vertikal durch das ganze Bild läuft und so Tiefe vermittelt. Der Kanal biegt nach links um die Ecke und weist so einen Weg ins Bild. 

Die Balkone des linken und rechten Hauses können ebenso in einen Dialog treten wie die beiden Türen, von denen eine angeschnitten ist. 

 

Die farbliche Gestaltung wollte ich sehr frei wählen, so dass alle Bilder des Zyklus einen harmonischen Farbklang entwickeln sollten. 

 

Ursprünglich dachte ich, dass die Balkone ein stärkeres Gewicht im Bild bekommen würden, aber wie so oft entwickelt ein Bild eine eigene Dynamik, schlussendlich sollten es die Türen und die Spiegelungen sein, die neben den - intuitiv eingesetzten und im Foto nicht vorhandenen - Anlegepfosten für die Boote die Hauptakteure wurden. 

Das Bild wurde vorbereitet mit einer glatten Spachtelmasse, in die ich eigenen Sand eingearbeitet habe. Einige Bildelemente wie die Türen und die Balkongitter wurden in die noch nasse Spachtelmasse geritzt. 

Nach der ersten Trocknung erfolgte ein lockerer Farbauftrag mit verschiedenen Rottönen, Bitumen, Schwarz, Sand, warmem und kaltem Grau sowie Weiß. Nach einer weiteren Trocknung habe ich die Farbflächen teilweise konkretisiert und die Collagenelemente eingeklebt. Weitere Farbintensivierungen erfolgten nach einer weiteren Trocknung mit Airbrushfarben. Besonderes Augenmerk erhielt - nach Anregung durch den Kursleiter - die Spiegelung auf der Wasserfläche. Diese sollte ich "liebevoller" gestalten. Das hat dann richtig Spaß gemacht, sogar das sonst von mir gemiedene Chromoxidgrün feurig kam hier zum Einsatz und bildete dann einen schönen Komplementärkontrast zu den verschiedenen Rottönen. In der Schlussphase wurden die Pfosten eingesetzt, mal negativ, mal positiv und durch ein absolut leuchtendes Rot betont. Die vordere Hauswand wurde durch zusätzliche Helligkeit vom Wasser abgehoben, ebenso die Wasserkante unterhalb des hinteren Hauses etwas aufgehellt. Immer hatte ich die Hilfestellung von Bernhard im Ohr: "Es muss klar sein, wo Wasser und wo Gebäude sind. Mach es nicht so kompliziert!" Letzte Akzente setzte ich mit leuchtenden Ölpastellstiften. Fertig! (Größe: 80 x 80 cm)

Der Teufelsgeiger (Rio di San Pantalon, Venedig)

Die Fotovorlage für dieses Bild stammt aus dem Jahr 2010, als ich meine erste Malreise mit Bernhard Vogel nach Venedig gemacht hatte. 

Der Hell-Dunkelrhythmus, das Rot der vorderen Hauswand und die vielen verschiedenen Formen finde ich genauso schön und spannend, wie den Weg nach hinten ins Licht. 

Schon lange hatte ich mir vorgenommen, dieses Motiv wieder umzusetzen. Also nun in Mixed-Media-Technik ...

Die Leinwand wurde mit Seidenpapier und Sand grundiert, danach erfolgte der erste Farbauftrag, ähnlich dem Vorgehen im ersten Bild. In die Rot- und Braunflächen kam zudem Schellacklösung, die ich ansprühte, so dass sie opak erstarrte und eigenwillige helle Strukturen bildete. Der grobe Bildaufbau wurde mit Farbflächen festgelegt.


Wird Schellack auf eine trockene Fläche aufgetragen und nicht mit Wasser in Kontakt gebracht, trocknet er transparent und leuchtend-glänzend auf, darunterliegende Farben und Strukturen kommen zur Geltung.

Gerade Venedig-Bilder leben von einer lebendigen Gestaltung der morbiden Wände und Fassaden sowie einer "liebevollen" Gestaltung der Spiegelungen, bei denen gerne auch etwas übertrieben werden darf. 

Den "Teufelsgeiger" habe ich erst zu einem weit fortgeschrittenen Stadium der Bildentstehung eingefügt. Ich hatte das Gefühl, dass dem Bild noch etwas Entscheidendes fehlt. Genau das war es! Venedig - Temperament - Musik - passt doch, oder?


Im Prozess der Bildgestaltung wurden weitere Collagenelemente im Bereich des mittleren Hauses eingefügt und die Farbflächen weiter differenziert. Hier setzte ich vor allem Airbrushfarben sowie hochpigmentierte Acryltuschen ein. 

Die Spiegelung wurde weiter bearbeitet und der "Teufelsgeiger" mit flüssigen Lasuren und Pigmenten eingebunden. 

Die Mauereinfassung wurde gestaltet und farblich integriert, so dass sie nicht den Weg ins Licht behindert. 

Fertig!

 

Größe: 100 x 80 cm.

Burano blau

Die Fotovorlage zu diesem Bild entstand 2012 auf Burano, einer kleinen Insel in der Lagune von Venedig, relativ weit weg von den Hauptinseln, noch hinter Murano. Das Besondere an dieser kleinen Insel sind die atemberaubend farbintensiv gestrichenen relativ kleinen Häuser mit charakteristischen Kaminen. Jedes Haus dort muss sich vom Nachbarhaus farblich abheben, man findet wirklich alle Farben: Pink, Neongelb, Neongrün, Hellblau, Rot, Türkis, Flieder, Violett .. Das Besondere an diesem Motiv waren für mich die leuchtend blaue Hausfassade mit ihren Verwitterungen und der Weg durch die Gasse mit ihren Schatten. 

Eine Grundierung aus Spachtelmasse und Sand wurde nach der Trocknung mit intensiven Farblasuren sowie reinen Pigmenten überarbeitet, außerdem kamen Airbrushfarben zum Einsatz. Wichtig war mir die Leuchtkraft von Blau, Rot und Weiß. Immer wieder ging ich nach der Trocknung über die Farbflächen. 

Danach ging es mit der Gestaltung der Flächen durch Collagenelemente weiter. Dabei wechselte ich die Einarbeitung von Collagen mit der Bearbeitung mit weiteren Farbaufträgen ab. Es galt, Farbkontraste zu setzen und den Charakter von Burano wiederzugeben.  Immer wieder half mir auch der kritische Blick von Bernhard Vogel: "Mach was Irrationales, nicht Logisches, bringe Überraschungen" - okay, also hier noch etwas Pink, hier etwas Grün... Malen kann so lustvoll sein!

Das fertige Bild!

 

Ermutigt durch den Kursleiter gestaltete ich kräftig abgesetzte Schatten der rechten Seite der Gasse sowie die Schatten der Fußgänger. Nie im Leben hätte ich so etwas aus freien Stücken gemacht!

Ich finde, die vordere Fläche gewinnt dadurch. 

 

Der Charakter von Burano lebt in diesem Bild. Die ultramarin- und kobaltblauen Pigmente entwickeln gemeinsam mit den Airbrushfarben, unterbrochen durch die Collagenelemente, die die Hausflächen gleichzeitig gliedern und unterbrechen, eine Wahnsinnsleuchtkraft, die das Foto nicht wiedergeben kann!

 

Das Bild ist 80 x 80 cm groß. 

Symbiose Sumpfkalk und Venedig

Eine Fotovorlage von Bernhard Vogel, die er auf seinen unzähligen Venedigreisen fotografiert hat und seinen Kursteilnehmern zur Verfügung stellt. 

Ich habe versucht, diese nicht sklavisch und vorlagengetreu umzusetzen, sondern Elemente zu übernehmen. 

Von besonderer Bedeutung erschienen mir der Kirchturm im Hintergrund sowie die Türen.

 

 

Ich begann mit einer Unterlegung mit Marmormehlstruktur und Sumpfkalk-Intonacco-Mischung, die ich im warmen Raum eineinhalb Tage trocknen ließ. Es bildeten sich wunderschöne Risse und "Geröllfelder".

Im nächsten Schritt erfolgte die malerische Sicherung mit Tuschen und Airbrushfarben, gleichzeitig wurden die ersten Collagenelemente eingeklebt. Dann waren wieder Trocknung und Geduld für 24 Stunden angesagt.

Die entstandenen Strukturen wurden immer wieder mit weiteren Collagenelementen betont, die mit Lasuren überarbeitet und somit in die Bilder integriert wurden. Langsam entwickelten sich die Bilder ...

Die fertigen Bilder!

 

Die Sumpfkalkstruktur gibt mit den lasierenden Farbaufträgen den Charakter der Hauswände in Venedig wieder. 

Brücken und weit entfernt liegende Gebäude lenken den Blick durch das Bild. 

 

Die fertigen Bilder sind je 40 x 80 cm groß. 

Die Fixierung erfolgte mit Retuschierfirnis, der neben einem schönen zurückhaltenden Glanz eine enorme Farbvertiefung bewirkt. 


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Kommentare: 2
  • #1

    Ingeborg Sommerauer (Montag, 01 April 2019 07:49)

    Großartige Bilder einer großartigen Künstlerin. Liebe Grüße

  • #2

    Urquía Alker (Donnerstag, 04 April 2019 16:45)

    Ich finde Ihre Bilder sehr lebendig und beeindrucket ! Die Farb-Komposition für jedes Bild bringt einen persönlichen Charakter.
    Auch die Türe , die Sie in facebook gepostet haben, finde ich Toll!
    Danke für die Erklärung des Arbeitsablaufs,