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Neues zu Strukturen und Texturen - alte Türen

Diese Bildvorlagen zeigen die morbide Schönheit alter Türen, die mich schon so lange faszinieren. Vorlagen dazu fotografiere ich auf allen Reisen mit oder bekomme sie von Malfreunden und Kursteilnehmern mitgebracht. Diese beiden hier stammen von Pinterest bzw. sind eine private Fotovorlage. Weitere Türen sind fertig oder in Arbeit - v.a. aus Mühlhausen, Norddeutschland und Dänemark. 

Gemeinsam haben diese Türen das brüchige Mauerwerk, bloßliegende Ziegelsteine sowie alte, verwitterte Farbanstriche auf dem Holz der Türen. Bestimmt waren sie einmal der ganze Stolz der Besitzer - Anlass genug, sie mit experimentellen Aquarelltechniken in Szene zu setzen. 

Vorüberlegungen zur maltechnischen Umsetzung und zur farblichen Gestaltung

Strukturen und Texturen im Aquarell oder - besser gesagt - in Aquarellmischtechniken beschäftigen mich schon seit Jahren. Hier habe ich mit fertigen Acrylspachtelmassen (mit und ohne Zusatzstoffe) experimentiert, außerdem mit Marmormehlspachtelmasse und Sumpfkalk. Sie alle erzeugen unterschiedliche Strukturen. Auch Gesso mit Beimischungen aus Sand, Vogelsand, Rauputz, Lavasand, Asche oder Steinmehlen kann ebenso verwendet werden wie weiße Wandfarbe - die Möglichkeiten sind sehr vielfältig. 

Zur Zeit mag ich die Farbkombination Weiß-Schwarz-Braun-Türkis-Blau sehr gerne, auch und vor allem in Kombination von Aquarellfarben, Tuschen, Airbrushfarben und Moorlauge. 

Weitere Struktur gebende Hilfsmittel sind Ölpastellstifte (als Alternative zu Wachskerzen, denn diese vergilben leider mit der Zeit), das Absprengen mit Wasser sowie die Verwendung von Kohle- und Aquarellstiften sowie Kohlepulver und Pigmenten. 

Die Idee hier war, diese sehr verschiedenen Türen einen einheitlichen und harmonischen Farbklang entwickeln zu lassen, der sich auch von der Fotovorlage unterscheiden soll. Die Fotovorlagen dienten als Idee und sollten nicht kopiert werden.

Beide Türen habe ich - anders als auf den Fotos - etwas aus der Mitte herausgenommen.

 

TIPP: ruhig einmal eine Fotovorlage schwarz-weiß ausdrucken, so ist die Fantasie in der farblichen Gestaltung gefragt. Die Tonwerte und weiß-grau-schwarz-Abstufungen sind so viel besser zu erkennen.  

STEP 1

Vor Beginn des Malens habe ich Teile des Mauerwerks sowie der Tür mit einer feinen Spachtelmasse mit Sandbeimischung grundiert. Dabei ging es mir um einen lebendigen Untergrund, nicht ein "Vormalen" mit Spachtelmasse. Hilfreich hierzu ist ein großes Malmesser, das flach geführt werden sollte. Besonders betont habe ich die Türeinfassung. 

 

Oft werden für die Arbeit mit Aquarellfarben spezielle Aquarellspachtelmassen empfohlen. Diese sind aber nicht nötig, Acrylspachtelmassen funktionieren ebenso gut. Es gibt sie auch mit Beimischungen von Lavasand, opaken Flocken, Glaskügelchen und rauen Partikeln. 

 

Bei der späteren Übermalung sammeln sich die Pigmente der Farbe zwischen den Sandkörnchen und erzeugen so eine Struktur, die alten, abbröckelnden Mauern sehr ähnlich ist. 

 

Wichtig ist, den Spachtelauftrag gut durchtrocknen zu lassen, am besten über Nacht! 

STEP 2

Der erste Farbauftrag sollte sehr locker, aber keinesfalls zu bunt erfolgen. Ich blieb konsequent in den für das Bild geplanten Farben: Grau, Antrazit, Braun, Türkis. Die Farbvertiefungen erfolgen später in den gleichen Farbtönen.

Akzentuierungen wie Mauerkanten, Steine, Fugen etc. habe ich sofort mit Aquarellstiften in die noch nasse Farbe gezeichnet - mal mit mehr, mal mit weniger Druck. So entsteht ein schöner strichdynamischer Duktus, der mir immer sehr wichtig ist. Es wird gezeichnet - nicht geschrieben!

Wichtig ist mir auch bereits im ersten Farbauftrag das Festlegen von Licht und Schatten. In diesem Fall kommt das Licht von links und lässt am linken Türrahmen eine viel stärkeren Schatten entstehen. 

Das Aussparen von Weißflächen hilft, dass das Bild lebendig wird und nicht zugemalt erscheint. 

 

Noch ein weiterer Tipp: immer das ganze Bild anlegen, nicht Teil für Teil fertig malen - so entsteht ein harmonisches Ganzes und die Gesamtwirkung sowie der Hell-Dunkel-Rhythmus kann beurteilt werden.

 

STEP 3

Die weitere farbliche Ausarbeitung kann man an diesem Bild - von der anderen Tür - gut erkennen. 

Die Farbe wird sehr lasierend über die ersten Farbschichten gelegt, aber nicht genau "deckungsgleich". Die Dunkelheiten wurden weiter herausgearbeitet und Strukturen im Ziegelwerk verstärkt. Bei der Darstellung von Ziegeln genügt es, einige Stellen herauszuarbeiten, hier aber immer auf den Versatz der Ziegel achten. Das Auge ergänzt anhand dieser "Kürzel" und man erkennt, was dargestellt wird.

Hierzu kamen ähnliche Farben in stärkerer Sättigung sowie wieder die Aquarellstifte zum Einsatz. 

Auch die Spiegelung erhielt erste Farbaufträge. Gelungene Spiegelungen entstehen NIE in einem oder zwei Farbaufträgen. Ich rate immer dazu, sofort während des Malens des sich spiegelnden Objektes - in dem Fall der Tür selbst - sofort mit der gleichen Farbe in senkrechter Pinselführung in den Wasserbereich zu gehen und diesen sofort in wagerechten Pinselbewegungen teilweise zu verziehen. Diese angelegte Spiegelung ist durch alle weiteren Farbaufträge zu erkennen. Für markante weiße Spiegelungen kann die Farbe mit dem feuchten Pinsel gleich wieder herausgeholt werden. 

STEP 4 - Abschluss des ersten Bildes

Der wesentliche Bildaufbau "steht" - nun geht es noch um Vertiefung, Akzentuierungen und das Spiel mit den Kontrasten: hell-dunkel, leuchtend-stumpf, Linie-Fläche, Licht-Schatten, komplementärer Kontrast usw. 

Das Mauerwerk erhielt weitere Lasuren, die Dunkelheit an der Schattenseite des Türrahmens wurde noch einmal massiv verstärkt. Die Holzflächen habe ich mit Ölpastellstiften und darüber gelegten wässrigen Lasuren weiter bearbeitet. 

Oft sehe ich in derartigen Bildern den Einsatz von Venezianisch Rot für Ziegelsteine, eine sehr dominante, mächtige, das Bild bestimmende und v.a. stark deckende Farbe. Sie habe ich völlig aus meinem Farbkasten verbannt, da sie ein Bild schnell ruinieren kann.

Statt dessen habe ich Lasurorange über Teile der Zielsteine gelegt, um diese weiter zu differenzieren, warme Farbtöne und einen Komplementärkontrast zum vorherrschenden Türkis und Cölinblau zu erzeugen. Wenn man alte Mauern betrachtet, wird man sehen, dass die Steine nie einen Farbton haben. Alles ist vertreten: Grau, Braun, Ocker ... Und alte Steine sind immer etwas rundlich und abgenutzt an den Ecken. Auch dies sollte man erkennen können. 

STEP 4 - Abschluss des zweiten Bildes

 

Die Fertigstellung dieses Bild erfolgte analog der Beschreibung oben. 

Die Spiegelung erhielt noch viele weitere Lasuren in verschiedenen Blautönen, darunter auch sehr dunkle, tiefe Blautöne sowie verschiedene Varianten von Cölinblau.

Auch die Tür habe ich noch weiter bearbeitet und hier v.a. auf ein Wechselspiel von Negativ- und Positivmalerei geachtet - sowohl bei den Intarsien der Tür als auch dem in Venedig so beliebten Sonnenmotiv im oberen Teil. Die hellen Metallstäbe habe ich teilweise negativ ausgespart und durch Dunkelheiten betont, zum Teil vage angedeutet und auslaufen lassen 

Auch diese Tür wurde mit Ölpastellen, lasierenden Farbaufträgen und Negativaussparungen sowie härteren Schattensetzungen weiter ausgearbeitet 

Auch das rechte Fenster bekam einen Bretterverschlag. Das Mauerwerk wurde weiter ausgearbeitet, Dunkelheiten betont. 

Letzte farbliche Akzente wurden wieder mit Lasurorange gesetzt, um dem Bild Wärme und den nötigen Komplementärkontrast zu geben. 

Aus der Spiegelung wurden noch einige Lichter herausgeholt, dort wo sich markante Teile der Tür und des Mauerwerkes spiegeln. 

Angaben zu den Bildern und verwendete Materialien

 

Erstes Bild: Hahnemühle Leonardo, 38 x 50 cm, 2019

Zweites Bild: Hahnemühle Leonardo, 38 x 50 cm, 2019

Verwendete Materialien: 

Spachtelmassen von Boesner (glatt und sandig), Aquarellfarben von Schmincke, Ferrario, Sennelier und Daniel Smith, Airbrushfarben von Schmincke, Tuschen von Daler & Rowney, Moorlauge, Ölpastelle von Sennelier, Aquarellstifte von Faber Castell, verschiedene Flach- und Rundpinsel von da Vinci und Springer

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