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Neue Winteraquarelle in Aquarellmischtechnik

Birkenallee im Frost

Diese wunderbare Birkenallee hat mich in mehrerlei Hinsicht fasziniert und mich zum Malen angeregt, das erste Mal bereits 2011. 

Zum Einen war es der Raureif, der alle Zweige überzog, zum Anderen die Dunkelheit im Bereich der Kronen im Kontrast zum Weiß der Stämme und der schneebedeckten Landschaft. 

Ich versuche in meinen Bildern, die nach konkreten Vorlagen entstehen, immer genau das wiederzugeben, was mich an der Vorlage und am Motiv spontan angesprochen hat und das wegzulassen oder in den Hintergrund treten zu lassen, was für die Bildaussage nicht wichtig ist. 

Mir wurde schnell klar, dass ich die feinen mit Raureif überzogenen Ästchen nicht in klassischer Aquarelltechnik darstellen kann, auch nicht unter Verwendung von Rubbelkrepp (das ich persönlich so gut wie gar nicht benutze ...) oder Zuhilfenahme weißer Aquarellfarbe oder Tusche. Die Idee war, auf das Papier eine zarte Struktur aufzubringen, in deren Vertiefungen sich die Pigmente der Aquarellfarben festsetzen können. Nach einigen Versuchen erzielte ich mit Aquagrund fein sowie Gesso, mit einem großen Malmesser aufgetragen, die besten Ergebnisse. Die Birkenstämme habe ich mit feiner Spachtelmasse locker angelegt mit Schwerpunkt an den Schattenseiten der Stämme. In das noch feuchte Gesso habe ich mit einem feinen Holzspieß feine Äste gezogen. Dann habe ich alles gründlich trocknen lassen.

Ich begann mit dem Farbauftrag im Bereich der Bäume und des Hintergrundes. Die Stämme, die Schneefläche sowie den Weg ließ ich zunächst völlig weiß. Dazu verwendete ich verschiedene Blautöne (Kobaltblau, Ultramarin, Tiefblau und eine Mischung aus Ultramarin und Siena gebrannt für den dunklen Grauton. An den Detailfotos sieht man auch sehr gut, welchen Effekt die zuvor aufgespachtelte Struktur erzeugt. Erste grobe Äste wurden in die feuchte Farbe und teilweise über die noch trockenen Stämme gezogen. 

Die Stämme legte ich von der Schattenseite mit Ultramarinblau sowie einer Mischung aus Ultramarinblau und Caput mortum an. Beide Farben ergeben in Mischung einen schönen subtilen und lebendigen Violettton. Auch hier sammelte sich die Farbe in der zuvor aufgespachtelten Struktur, die ich bei den vorderen Stämmen am lebhaftesten anlegte. Dies erzeugt Tiefe, neben einigen warmen Farbtönen wie Lasurorange und Moorlauge, die ich von der Lichtseite der Stämme in den noch feuchten Farbauftrag der vorderen Bäume laufen ließ. Überhaupt lasse ich grundsätzlich in feuchte Farben sofort weitere Farben hineinlaufen, um eine farbliche Differenzierung zu erreichen.

Im nächsten Schritt legte ich über die bereits angelegten Flächen weitere Lasuren, um diese zu vertiefen und zu differenzieren. Insbesondere wollte ich den dunklen Bereich im Bereich der Kronen verstärken und mit diesem Auftrag die Äste und Zweige im hinteren Teil der Allee aussparen. Der Vordergrund bekam noch mehr Dunkelheit, die Schatten der Bäume auf dem Weg wurden gestaltet. Hierzu verwendete ich die bereits im Bild befindlichen Farben sowie mein Rosa, um eine gebrochene Komplementärharmonie zu den vorherrschenden Blautönen zu erzielen. Auch die Stämme bekamen im Schattenbereich noch eine Vertiefung und detailliertere Ausgestaltung der Rindenstruktur. In diesem Stadium der Bildbearbeitung widmete ich mich bereits den feinen Ästen.

Um die Raureifanmutung zu verstärken, trug ich mit einem Borstenflachpinsel, den ich flach und ohne Druck über die Erhöhungen der Struktur führte, etwas weiße Gouache (man kann auch Acrylweiß oder Gesso nehmen) im Bereich der feinen Verästelungen auf. Weiße Aquarellfarbe hat hierfür allerdings nicht genug Deckkraft, v.a. im getrockneten Zustand. So kam die Raureifstruktur stärker heraus, v.a. in den Bereichen, wo die größten Dunkelheiten darunter liegen. Dies kann man im linken Detailbild gut erkennen. Zum Schluss arbeitete ich einige feine Äste mit weißer Tusche heraus, wobei ich mich an den vorhandenen Strukturen orientierte. Fertig!

Alte Buchen bei Zirkow, Insel Rügen

An diesem Bild gefiel mir die tief verschneite, einsame und absolut friedliche Stimmung. 

Wir sind auf der Insel Rügen, in der Nähe von Zirkow. Das besondere Bildmerkmal ist natürlich der abgebrochene ehemals mächtige Birkenstamm im linken Vordergrund, dahinter eine ebenfalls mächtige und sehr alte Buche. 

Eine durchgängige Horizontlinie gibt es in dieser Vorlage nicht, lediglich das Ende des verschneiten Weges ist zu erkennen - im Gegensatz zur Vorlage der Birkenallee, wo die Horizontlinie durchgängig zu sehen ist. Hier entsteht der Eindruck eines Dickichts rechts und links vom Weg. 

Um den mächtigen Bäumen im linken Bereich kompositorisch ein Gegengewicht zu geben, entschloss ich mich, auch im rechten Bereich des Weges einige Bäume anzulegen. Mitunter muss man von einer Fotovorlage abweichen, damit das Bild kompositorisch ausgewogen ist. 

Dieses Bild war ein Demonstrationsbild in einem meiner Workshops. Auch hier begann ich mit einem Spachtelauftrag im Bereich der vorderen Stämme sowie der Kronen, um auch hier den Raureif anzudeuten (ohne Foto). 

Daran schloss sich der erste Farbauftrag an, den ich diesmal im Bereich der Stämme mit Moorlauge, Lasurorange, Blau und Caput Mortum begann. Unmittelbar danach legte ich den Hintergrund an, achtete hier aber darauf, die Lichtkanten klar abgegrenzt stehen zu lassen und die Konturen im Bereich der Schattenseite der Bäume den Hintergrund und die Stämme miteinander zu verbinden. Farblich arbeitete ich ebenso wie bei der Birkenallee oben. 

Im zweiten Schritt nahm ich - wie es eigentlich immer tue - nach einer gründlichen Trocknung farbliche Verstärkungen, Differenzierungen vor und korrigiere wo nötig, Abgrenzungen. Außerdem setzte ich hier bereits weitere Dunkelheiten, insbesondere dort, wo der abgebrochene Baumstamm im Inneren hohl ist. Hier befinden sich die stärksten Dunkelheiten und Kontraste. Den Schneesaum auf der Oberkante des abgebrochenen Baumes habe ich bereits beim ersten Farbauftrag sorgfältig ausgespart, um mir hier das Papierweiß zu erhalten. 

In diesem Stadium gestaltete ich auch das Buschwerk im Vorder- und Mittelgrund des Bildes. 

Um das tief Verschneite der Landschaft wiederzugeben, bearbeitete ich auch bei diesem Bild die Rindenstruktur der Buchen sowie die zuvor angelegten Strukturen mit einem flach geführten Borstenpinsel und weißer Gouache. 

Auch hier legte ich letzte feine Äste sowie das mit Raureif überzogene Buschweg mit Weiß an. 

Die beabsichtigte Bildaussage konnte ich so umsetzen, wie ich es beabsichtigt habe. 

Die Farbperspektive mit den ausgeprägt warmen Farben im Bereich der vorderen Stämme, der fehlenden Horizontlinie im Bereich des Waldes und das viele Weiß vermitteln die winterliche Atmosphäre. 

Diese und viele weitere Techniken vermittele ich in meinen Workshops, zu denen ich Euch herzlich einladen möchte. Ausführliche Bild- und Motivbesprechungen sowie material- und maltechnische Hinweise, praktische Demonstrationen und individuelle Hilfestellung sind feste Bestandteile meiner Kurse. Ich habe versucht, hier einen kleinen Einblick in meine Art und Weise zu arbeiten und zu unterrichten, zu geben. 

Angaben zu den Bildern

Birkenallee in Frost: 76 x 56 cm, Hahnemühle Leonardo satiniert, 2019

 

Alte Birken bei Zirkow, Insel Rügen: 56 x 38 cm, Hahnemühle Leonardo feinkorn, 2019

 

Verwendete Materialien: 

Papier s.o., Spachtelmasse fein, Aquagrund fein, Gesso, Aquarellfarben Schmincke Horadam, Ferrario, Daniel Smith und Sennelier, weiße Tusche von Rohrer & Klingner, weiße Gouache von Lascaux, Moorlauge, eigene Farbmischungen, Aquarellstifte Albrecht Dürer von FaberCastell.

Rundpinsel von Springer, Flachpinsel sowie Borstenflachpinsel von da Vinci. 

 

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Kommentare: 9
  • #1

    Uwe Blazey (Dienstag, 15 Januar 2019 08:30)

    Wunderschöne Bilder! Vielen Dank für die ausführlichen und hilfreichen Erläuterungen!

  • #2

    Wiegand Margarete (Dienstag, 15 Januar 2019 10:03)

    Eine unglaublich gute und innovative Bildentwicklung. Kunst kommt eben doch von Können!

  • #3

    Traudel Horn (Dienstag, 15 Januar 2019 10:31)

    Liebe Kirsten, Deine Bilder - immer ein HINGUCKER ! Danke für den Step
    LG Traudel

  • #4

    Rehm, Gerhard (Dienstag, 15 Januar 2019 12:50)

    Ganz herzlichen Dank für die ausführlichen Angaben der Schritte und vorallem der verwendeten Farben und Hilfsmittel. Ichbin wirklich begeistert vin deinen ausgezeichneten Bildern.

    Gerhard Rehm

  • #5

    Ulla Kaufmann (Mittwoch, 16 Januar 2019 07:54)

    Lieben Dank für die Erklärungen der einzelnen Steps! Mit Spachtelmasse und Aquagrund habe ich noch nicht gearbeitet, das werde ich auch mal probieren, Das Bild mit der Kirche im Hintergrund habe ich nachgemalt und es ist ganz gut gelungen. LG Ulla Kaufmann

  • #6

    Sieglinde Paetz (Freitag, 18 Januar 2019 09:26)

    Vielen Dank für die tollen Steps. Werde ich sicher mal ausprobieren!

  • #7

    Huber Rosmarie (Samstag, 19 Januar 2019 07:57)

    Das sind wundervolle Ideen, wie ich zum Beinspiel meine geliebten Bäume als Winterbild darstellen kann. Sehr aufwendig, aber sicher ein lustvolles und interessantes Arbeiten. Aquarelle auf Leinwand habe ich schon mit diesen Materialien bearbeitet. Die Moorlauge werde ich auch wieder aus dem Kühlschrank nehmen.
    Danke herzlich und einen guten Tag.
    Grüsse aus der Schweiz Rosmarie

  • #8

    Maria Ratzberger (Montag, 21 Januar 2019 08:49)

    Danke für die genaue Erklärung schritt für schritt deiner tollen Winterbilder
    Liebe Grüße Maria

  • #9

    Waltraud Stöckl (Mittwoch, 23 Januar 2019 08:41)

    Voller Bewunderung habe ich deine tollen Bilder im Netz betrachtet. Jetzt hier diese Entstehung zu zeigen, ist ein besonderes Geschenk an uns, die wir bemüht sind, unsere Fähigkeiten in der Aquarellmalerei zu verbessern und Neues dazu zu lernen. Herzlichen Dank dafür und weiterhin viel Inspiration und Freude an der Malerei wünsche ich dir!