Bäume und Baumlandschaften am 09.09.2017

Mitunter sagt man: "An Bäumen erkennt man den Landschaftsmaler." - Bäume sind beliebte, aber auch gefürchtete und nicht so einfach umzusetzende Motive. Auch wenn sie keine großen perspektivischen Hürden bieten, müssen doch eine Menge Dinge beachtet werden, damit Bäume lebendig und dynamisch wirken. 

 

Wie immer bereite ich mich auf die Workshops sorgfältig vor, so dass ich Bilder in mehreren Zwischenschritten zeigen und daran weitergehende Arbeitsschritte erläutern und praktisch demonstrieren kann. 

 

Die beiden Beispielbilder zeigen ein Aquarell (links, begonnen in der Süntelbuchenallee Bad Nenndorf) sowie eine experimentelle Arbeit auf der Basis von Acrylemulsion, Beizen, Airbrushfarben und Pigmenten (rechts), die nach der Malreise im Atelier begonnen wurde (beide Arbeiten auf Papier, 56 x 76 cm): 

 

Hinsichtlich der Malvorlagen bin ich sehr flexibel, da ich möchte, dass die Kursteilnehmer nicht stereotyp ein Motiv nachmalen, sondern an eigenen Motivvorlagen üben, wie Fotos gut umgesetzt werden, sprich:  was weggelassen und was verändert werden sollte.   

Ich habe im Atelier einen großen Fundus von Malvorlagen und Büchern verschiedenster Art. 

Außerdem ist es mir wichtig, dass an Motiven gearbeitet wird, zu denen die Maler und Malerinnen einen persönlichen, emotionalen Bezug haben.

 

Hier einige der Malvorlagen, die ich zur Verfügung gestellt habe.  Die Fotos (by Kirsten Behme-Priebsch) zeigen Motive der Süntelbuchen auf Rügen sowie die Hainbuchen im Stadtwald Mühlhausen und eine Allee bei Pfafferode.

 

 

Bei Bäumen ist eine sehr freie, spontane und gefühlsmäßige Anlage der Bilder wichtig. Geordnet wird später ...

Im Vorfeld sollte allerdings der Bildaufbau gut überlegt werden, z.B. die richtige Anordnung der Horizontlinie oder die Wahl des Formates. Ein Hochformat verdeutlicht das in Höhe strebende der Bäume, ein Querformat den Landschaftscharakter, eine tief angelegte Horizontlinie assoziiert Weite, eine hohe Horizontlinie betont die Bildtiefe. Es sollte immer mindestens ein Baum am Bildrand angeschnitten werden. Ein Baum, der das gesamte Format "sprengt", bringt viel Tiefe in das Bild. Parallel laufende Stämme und Hauptäste sollten ebenso vermieden werden, wie auf gleicher Höhe aus dem Stamm kommende Äste. All diese Gesichtspunkte überlegen wir uns gemeinsam und besprechen sie immer wieder anhand der entstehenden Bilder. 

 

Im nächsten Bearbeitungsschritt - nach vollständiger Trocknung und gründlicher Betrachtung - wird das Motiv "aufgeräumt", d.h. es wird eindeutig geklärt, was vorne und was hinten ist. Hier gilt die Regel: Keine Linien setzen (die kennt die Natur nicht!), sondern Kontraste durch helle und dunkle Flächen oder Flächen mit einem Farbkontrast. Es gilt weiter: Hell kommt nach vorne, dunkel tritt zurück. Dies machen wir uns konsequent zunutze. Natürlich muss dies nicht an allen Stellen im Bild geschehen, sonst geht das Flüchtige und Spontane der Bildanlage schnell verloren, es reicht, dies an den markanten Stellen im Bild zu klären, v.a. an dem Baum, der das Bild bestimmt. 

Die beiden folgenden Detailbilder sollen das Gesagte verdeutlichen: 

 

Letzte Detailarbeiten beinhalten das Setzen oder Betonen einer Horizontlinie. Fehlt diese, entsteht die Anmutung eines Dickichts, z.B. eines dichten Waldes. Außerdem werden letzte Helligkeiten und Dunkelheiten gesetzt, feine Äste noch hinzugefügt oder kompositorische "Lücken" durch das Einsetzen positiv oder negativ (durch Aussparung bzw. Ummalung) gesetzter Bäume gefüllt.

Diese Entscheidungen erfolgen am besten nach eingehendem Anschauen des Bildes mit Abstand. Erst dann sieht man, was nicht stimmt, ob etwas fehlt und was noch der Klärung bedarf. Diese Überlegungen haben wir gemeinsam in der Malgruppe angestellt. 

 

Im Anschluss zeige ich noch einige der im Kurs entstandenen Arbeiten und die Kursleiterin in Aktion (Fotos by Hannelore Schudrowitz): 

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